Inhaltsbereich:Der Ural
Fürs erste nehme ich Sie gleich mit in eine Region, zu welcher wohl für viele das Sprichwort 'Was
man weiss und doch nicht kennt', zutreffen dürfte - das Ural-Gebirge. Es ist eine Reise an die
östlichste Peripherie Europas und Grenze zwischen Europa und Asien, gilt das Uralgebirge doch
als geografische Grenze der beiden genannten Kontinente. Im Ural können Sie also schon mal mit einem
Bein in Europa und mit dem andern in Asien stehen, ohne dafür einen Spagat vollführen zu müssen.
Im Süd-Ural liegt auch die Quelle des
gleichnamigen Flusses
(Урал), welcher nach knapp 2'500 Kilometer in
das Kaspische Meer
(Каспийское
море) mündet.
LiebhaberInnen robuster und unverwüstlicher
Motorräder, welche sich bei Bedarf auch zum Schneepflug um- oder hochrüsten lassen und für
deren Reparatur in früheren Jahren zur Not schon mal der sachgerechte Umgang mit einem Hammer ausreichen
konnte, werden beim Begriff Ural vielleicht zuerst an die in den Ural-Werken
(Ирбитский
мотоциклетный
завод) in Irbit, früher ausschliesslich für das Militär und heute
nur noch für den privaten kommerziellen Verkauf, produzierten Ural-Motorräder denken.
Lage und Geschichte des Ural-Gebirges
Der Ural erstreckt sich von über eine
Länge von ungefähr
2'100 Kilometer (zum
Vergleich: Alpen ca. 1'200 und Himalaya ca. 3'000 Kilometer) und
drei Klimazonen von der Karasee am
Südrand des Nordpolarmeers bis in den Grenzbereich zur kasachischen Steppe. Der Ural weist
Mittelgebirgscharakter auf, sein höchster Berg ist der 1'895 Meter hohe
Narodnaja
(
Гора Народная) im
nördlichen Teil des Ural.
Bemerkenswert sind dagegen das
Alter und die
geografische Lage des Ural. Der Ural entstand im
mittleren bis späten
Paläozoikum, ist damit etwa
250 bis 300 Millionen Jahre alt und hat sich seither geografisch
vergleichsweise sehr wenig verschoben, während die das Entstehen von Alpen und Himalaya auslösenden
Auffaltungen erst etwa 100 bis 150 Millionen Jahre später einsetzten. Zur Zeit der Entstehung des Ural
lag das heutige Europa noch unter dem eurasischen Ur-Ozean und die heutigen Kontinente und Länder
Südamerika, Afrika, Antarktis, Australien und Indien bildeten eine von der heutigen Antarktis bis über
den Äquator hinausreichende zusammenhängende,
Gondwana genannte
Landmasse.

Der Ural ist
reich an Erzen von
Eisen (so sollen nach einer Legende die Eisenvorkommen in der
Umgebung des heutigen
Magnitogorsk,
der 'Stadt am Magnetberg', so gross gewesen sein, dass die Pferde des Mongolenheers von Dschingis Khan mit ihren
Hufeisen am Boden hängen blieben) bis zu
Edelmetallen wie
Gold und
Platin (1843 wurde im
Ural das mit einem Rohgewicht von 12 kg
weltweit grösste Platinnugget gefunden; in eingeschmolzener
Form befindet es sich zur Zeit im Diamanten-Fonds des Moskauer Kreml),
Mineralien sowie
Edel- und
Halbedelsteien. Auf
dieser
Seite finden Sie ein sehr schönes
Bilderkarussel über die Form- und Farbenvielfalt von
Gesteinen und Mineralien aus dem Ural.
Der Ural ist auch
Quellgebiet unzähliger Flüsse, welche in alle vier Himmelsrichtungen fliessen
und für die
Überwindung des Urals sowie die
Eroberung und Erschliessung Sibiriens
(
История
Сибири) als damals einzige und natürliche Verkehrswege
(sommers zu Schiff und im Winter als gefrorene Strassen) eine wichtige Rolle spielten.
Bis gegen Ende des 16.Jahrhunderts bildete der Ural die natürliche Ostgrenze des Russischen Reichs. Eng mit
der Ostausdehnung des Russischen Reiches über den den Ural hinaus nach Sibirien verbunden sind die Namen
des
Kosakenatamans Jermak
(
Ермак
Тимофеевич) sowie der
Kaufmannsfamilie Stroganow
(
Строганов).
Um 1580 brach ein von Jermak angeführtes militärisches Expeditionskorps von wenigen hundert Mann,
wahrscheinlich im Auftrag, sicher jedoch ausgerüstet und finanziert durch die in Perm ansässige Familie
Stroganow, nach Osten auf. Nach Überwindung des Ural besiegte Jermaks Truppe im Oktober 1582 in der Nähe
des heutigen
Tobolsk die
Tatarenstämme des
Khanats
Sibir. Um die dringend benötigte Unterstützung an Soldaten, Waffen und Gerätschaften durch die
zaristische Zentralgewalt zu erhalten, sandte Jermak Wagenladungen mit Zobelpelzen an
Zar Iwan IV. (
Iwan der Schreckliche) und unterstellte Sibirien
dessen Herrschaft. Von den Tataren in eine Falle gelockt, ertrank Jermak, vom Gewicht der eigenen Rüstung in
die Tiefe gezogen, im August 1585 an der Mündung des Flusses Wagai in den Irtysch. 1586 und 1587 wurden mit
Tjumen und
Tobolsk die
ersten dauerhaften Russischen
Siedlungen in Sibirien gegründet. Jedoch erst 1598 gelang die endgültige Unterwerfung der
Tatarenstämme unter ihrem Führer
Kütschüm Khan.

Für die
Kaufmannsfamilie Stroganow erwies sich die Erschliessung des Ural als wahre Goldgrube. Ihr
vorher schon nicht unbeträchtliches Vermögen machte sie erst durch den
Abbau des weissen Goldes
Salz, später auch den
Abbau und die Verhüttung von Erzen sowie Edelmetallen und gestützt
durch von den Zaren gewährte
monopolistische Handelsrechte für Sibirien, zu einer der reichsten
Familien des damaligen Russischen Zarenreichs. 1722 wurden die Stroganows durch
Zar Peter I. (
Peter der Grosse) in den Adelsstand erhoben,
jedoch gleichzeitig wirtschaftlich entmachtet. Nach der
Oktoberrevolution 1917 flüchteten die Stroganows nach Frankreich. Vom Glanz vergangener Zeiten der
Stroganows zeugen heute unter anderem noch der nach Plänen des berühmten italienischen Architekten
Bartolomeo Francesco Rastrelli gebaute
Stroganow-Palast in St.Petersburg und die
Mariä-Geburt-Kathedrale
(
Церковь
Собора Пресвятой
Богородицы
Строгановская)
in
Nishni Novgorod.
Grosse Bedeutung, dieses Mal als Schutzschild gegen Westen, erlangte der Ural nach dem
Überfall der Sowjetunion
(
Операция
Барбаросса) durch die Deutsche Wehrmacht am
22. Juni 1941, als alle grossen und kriegswichtigen Industriewerke inklusive der gesamten Belegschaft, aber auch
Bildungs- und Kulturinstitutionen sowie Kulturgüter hinter den Ural evakuiert wurden. So wurde das
östliche Uralgebiet in den kriegsentscheidenden Jahren des zweiten Weltkrieges zum
damals weltweit
grössten Zentrum der Stahl- und Rüstungsindustrie. Nach dem Ende des Krieges blieb die Ural-Region
bis in vergangenen 80er-Jahre eine
Sonderzone: Ausländer hatten überhaupt keine und
Sowjetbürger nur mit Sonderbewilligung
Zutritts- und Aufenthaltsrechte.
Spuren bekannter und unbekannter Zivilisationen im Ural-Gebirge
Steinzeitliche Höhlenmalereien wurden erstmals im ausgehenden 19.Jahrhundert und in Europa
insbesondere in Frankreich, Spanien und Italien entdeckt. Lange Zeit galten Sie deshalb als Zeugen einer im Westen
und Süden Europas beheimateten Zivilisation.
1954 wurden dann in der im
Süd-Ural gelegenen
Republik Baschkortostan in den 120 Kilometer auseinander liegenden
Höhlen von
Kapowa
(
Капова
пещера) und
Ignatjewka
(
Игнатьевская пещера)
Höhlenbilder mit ähnlichen Bildmotiven
und
etwa gleichem Alter (ca. 16'000 Jahre) entdeckt.

Etwas weniger alt sind einige in den vergangenen 70er- und 80er-Jahren in der
Region von Tscheljabinsk
entdeckte, der
Andronovo-Kultur (2300 bis 1000 vor Christus) zugerechnete ringförmig angelegte Siedlungsorte, welche
für die damalige Entwicklungsstufe eine hohe Anzahl EinwohnerInnen aufwiesen und deren Häuser alle
denselben flächengleichen Grundriss hatten.
Arkaim als deren
bekannteste wurde 1987 zufälligerweise bei Gelände-Rekognostizierungen zur Flutung eines Gebiets
für einen geplanten Stausee entdeckt. Entgegen allen Erwartungen oder Befürchtungen wurde das
Stausee-Projekt gestoppt und Arkaim 1991 unter Denkmalschutz gestellt. Weitere solcher Siedlungen wurden in
Sintaschta,
Sarym-Sakly und
Kuissak gefunden.
Der
Andronovo-Kultur werden u.a. die
ersten Streitwagen mit Speichenrädern zugeschrieben.

Mit Sicherheit
viel älter,
zivilisations-historisch dagegen
rätselhaft und
völlig ungelöst sind zwei weitere unterschiedliche und äusserst bemerkenswerte Funde aus dem
Ural: 1992 gefundene
ring- und spiralförmige,
nanotechnologisch genaue metallische
Artefakte
mit einem
Alter von etwa 100'000 Jahren und die 1999 vom Physiker und Mathematiker Alexander Chuvyrov in
der Nähe von
Ufa
(
Уфа) gefundende und unter den Namen
Gottes
Landkarte oder
Daschkas Stein (nach dem Namen seiner am gleichen Tag geborenen Enkelin) bekannt
gewordene
Relief-Steinplatte mit einem
Alter von ungefähr 120 Millionen Jahren! (das war das
Zeitalter der Dinosaurier, während das Alter des Homo sapiens nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen
gerade mal etwa 200'000 Jährchen beträgt.) Die von Alexander Chuvyrov gefundene Steinplatte hat die
Ausmasse von etwa 1.50 x 1.00 Meter und wiegt bei einer Dicke von 16 cm etwa eine Tonne. Sie besteht aus drei
unterschiedlichen Gesteinsschichten, welche mit einer bis heute unbekannten Technik oder Verfahren aufgetragen
oder verleimt wurden. Die oberste Schicht dient dem Schutz der darunter liegenden 3D-Reliefkarte. Man geht davon
aus, dass die gefundene Steinplatte Teil einer viel grösseren Tafel von etwa 340 x 340 Meter gewesen sein
muss. Nachweisen konnte man bis heute, dass auf der Tafel eine
3D-Karte der Region um die heutige Stadt Ufa
abgebildet ist. Allerdings mit Spuren gigantischer zivilisatorischer Werke, insbesondere einem
grossräumigen Bewässerungssystem mit bis zu 500 Meter breiten und 3000 Meter tiefen Kanälen und
Dämmen! Hinweise auf ca. 200 ungewöhnliche Steintafeln mit 'seltsamen Inschriften', welche von
russischen Forschungsreisenden im 17. und 18. Jahrhundert gefunden wurden, fand Alexander Chuvyrov im Archiv des
Generalgouverneurs der Stadt Ufa.
Städte im Ural
Von prähistorischen Zeiten zurück zur Gegenwart. Nachfolgend möchte ich Ihnen die beiden
'Hauptstädte' des Ural etwas näher vorstellen, das im
europäischen Teil des Ural gelegene
Perm und das bereits in
Asien liegende
Ekaterinburg (auch Jekaterinburg). Beide wurden im
Jahr 1723 von
Wassili Tatischtschew
(
Василий
Никитич Татищев)
gegründet (dieser muss ein überaus eifriger Verwaltungsbeamter seiner
Zarin
Anna gewesen sein, gründete er doch später auch noch Stavropol-Wolschskij, das heutige
Togliatti). Ebenso ist beiden Städten gemeinsam, dass sie bis in
die vergangenen 80er- oder sogar 90er-Jahre in einer Sonderzone ('verbotene' Städte) lagen und deshalb ihren
russisch-sowjetischen Charakter viel ausgeprägter erhalten haben als etwa Moskau oder St. Petersburg.
Perm
Perm
(
Пермь) ist die
sechstgrösste russische und
zweitgrösste Stadt des Ural, war
bis 2004 die
geografisch östlichste Millionen-Stadt
Europas und ist mit einer Ausdehnung von 798 Quadratkilometer etwas grösser als bspw. der Kanton
Solothurn (791 Quadratkilometer). Nach dem an der
Kama
gelegenen Perm kommen Sie in
zwei Flugstunden ab Moskau. Wer es lieber gemächlicher mag und 24 Stunden
mehr oder weniger dabei keine Rolle spielen, nimmt die
Transsib.
Reisen Sie im
Winter nach Perm, sollten Sie sich auf
Tagestemperaturen von bis
-25 Grad einstellen, während in den
Hochsommermonaten
Juli und August das Thermometer bis
30 Grad und darüber klettern kann.
Entsprechend einer während der Zeit des stalinistischen Personenkults gängigen Praxis hiess die Stadt
Perm ab 1940
Molotov zu Ehren des langjährigen Aussenministers unter Stalin,
Wjatscheslaw Molotov. Nach Stalins Tod 1953 und insbesondere nach der berühmten
Geheimrede Chrustschows auf dem 20. Parteikongress der KPdSU von 1956
war dies jedoch nicht mehr opportun und so erhielt Perm 1957 seinen alten Stadtnamen zurück.

Perm ist eine
multiethische Stadt und hat eine
vielfältige Gastronomie (wer typisch russisch
und zudem sehr preisgünstig essen will, wagt sich auch einmal in eine
Stolovaja
(
Столовая) genannte Russische Kantine) sowie viele
ethnisch-kulturell geprägte Märkte. In der
Sibirskaja-Strasse, dem Beginn des historischen
Pfades nach Sibirien, finden sich viele
schöne und gut erhaltene historische Gebäude. Unter den
maximal 3-geschossigen historischen Gebäuden Perms nicht zu übersehen ist die
Staatliche
Kunstgalerie am Ende des Komsomolski Prospekts mit Ihrem
67 Meter hohen Glockenturm (bis 1922 war das
Gebäude die Permer Stadtkathedrale). Mit ihrer
reichhaltigen Sammlung russischer, aber auch
westeuropäischer Kunst unterschiedlicher Epochen sowie der
Holzskulpturen-Sammlung aus der Region
Perm wird sie auch schon mal mit der St.Petersburger
Eremitage verglichen. In unmittelbarer Nähe der Staatlichen Kunstgalerie befindet sich das
Heimatkunde-Museum mit über 360'000 Ausstellungs-Exponaten zur Geschichte der Region und Stadt Perm.
Etwas weniger feinsinniges Gegenstände gibt es im nördlichen Permer Bezirk
Motovilicha zu
bestaunen. In diesem bis 1991 für die Öffentlichkeit strengstens abgeriegelten Gebiet, in dem einst
Kupfer verarbeitet und im 19.Jahrhundert ein Maschinenbau-Werk errichtet wurde, baute die Sowjetunion ihre
grösste Artillerie- und Raketen-Produktionsstätte auf. Heute befindet sich auf dem Gelände ein
herkömmliches Museum zur Geschichte des Motovilicha-Werks sowie als
Freilicht-Museum eine
Ausstellung mit Produkten der Motovilicha-Werke,
von der Permer Zaren-Kanone des 18. Jahrhunderts über
die im Zweiten Weltkrieg entwickelte
Katjuscha
(
Катюша, wohl besser bekannt
geworden unter dem Name Stalin-Orgel) bis zu
Trägerraketen der vergangenen 70er-Jahre.
Das wahrscheinlich bekannteste Permer Gebäude ist das
Permer Staatliche Ballett- und Operntheater,
benannt nach dem in einer kleinen Stadt südlich von Perm geborenen Komponisten
Pjotr Iljitsch Tschaikovskij
(
Пётр Ильич
Чайковский) und wohl auf ewig verbunden mit
der in Perm geborenen
Anna Pavlova (
Анна
Павловна Павлова
), welche hier ihre ersten Tanzschritte machte und Ballett-Figuren übte und unter ihrem ersten Mentor
und Förderer
Sergej Djagilev
(
Сергей
Павлович Дягилев
) zur weltweit unbestrittenen Ballett-Primaballerina ihrer Zeit aufsteigen sollte.

Etwa 100 Kilometer südöstlich von Perm liegt die Stadt
Kungur, welche für ihre ca. 10 bis 12'000 Jahre alten
Eishöhlen bekannt ist. Genau genommen handelt es sich dabei um ein ganzes
Höhlensystem von knapp
6 Kilometer mit 60 Grotten und 100 Seen. Auf dem Weg nach Kungur befindet sich zudem das
Kloster von Belaja
Gora (Weisser Berg), welches das grösste Kloster im Uralgebiet ist und in welches früher fehlbare
Mönche zur Reue, Busse und Besserung geschickt wurden.
Wer sich für die
Kultur des russischen Alltags vergangener Jahrhunderte interessiert und dem sich beim
Begriff 'Ballenberg' nicht gleich sämtliche Nackenhaare sträuben, wird das etwa 40 Kilometer ausserhalb
Perms liegende Dorf
Chochlovka besuchen. Das dortige
Freilichtmuseum für Architektur und Ethnographie umfasst
insgesamt 23 Holzbauten inklusive Inneneinrichtungen aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, welche sowohl geografisch
als auch thematisch gegliedert sind. Geöffnet ist das Freilichtmuseum von Mai bis Oktober.
Mit einer unrühmlicheren jüngeren Vergangenheit Russlands und der Sowjetunion befasst sich das in
Kutschino, einem Ort nordöstlich von Perm gelegene,
Museum zur Geschichte der politischen Repression
Perm-36. Dabei handelt es sich um das einzige vollständig
erhaltene Lager des
Gulag (
ГУЛаг).
Ekaterinburg
Ekaterinburg
(
Екатеринбург) ist mit einer Fläche von 490 Quadratkilometer sowie über 1.3 Millionen Einwohnern die
grösste Stadt im Ural und streitet sich mit
Novosibirsk
darüber, wer nach den beiden Metropolen Moskau und St. Petersburg die
dritt- und viertgrösste Stadt
Russlands ist. Das an der
Isset
gelegene Ekaterinburg ist etwas mehr als
vier Flugstunden von Moskau entfernt; wenn Sie Ihre Uhr jedoch
nach der jeweiligen Flughafen-Uhr richten, werden Sie feststellen, dass sich die Reisezeit beim
Flug über
die Zeitzonen auf etwas mehr als zwei Stunden reduziert hat. Wie Perm ist auch Ekaterinburg mit der
Transsib
erreichbar. In Ekaterinburg sind die
saisonalen Temperaturunterschiede noch etwas ausgeprägter als in
Perm, im
Sommer kann es bis
35 Grad heiss und im
Winter bis
-40 Grad kalt werden. Und
da sich Ekaterinburg bereits am Rande Sibiriens befindet, können
strenge Winter schon mal ein
halbes Jahr dauern.
Wie Perm trug auch Ekaterinburg während einigen Jahren einen anderen Namen: zu Ehren oder zum Gedenken an
Jakov Sverdlov, einen revolutionären Bolschewiki, welcher kurz nach der Oktober-Revolution während
eines Jahres formelles Staatsoberhaupt der Sowjetunion war und als erster sowjetischer Politiker ein Ehrengrabmal
vor der Kremlmauer am Roten Platz erhielt,
hiess Ekaterinburg von 1924 bis 1991 Sverdlovsk.

Das wohl
bekannteste Gebäude Ekaterinburgs ist die 2003 eingeweihte
Kathedrale auf dem Blut
(
Храм на
Крови). Sie wurde an der Stelle des
Ipatjew-Hauses,
in welchem der
letzte Russische Zar, seine Familie und ein Teil seines engsten Hofstaates gefangen gehalten und in
der Nacht vom 16. zum 17. Juli 1918 erschossen wurden, errichtet. Eine weitere Kathedrale verweist auf das
tragische Ende der Romanov-Dynastie: die in einem
Vorort Ekaterinburgs gelegene
Heilige
Dreifaltigkeits-Kathedrale. In dieser wirkte
Grigori Jefimowitsch Rasputin vor seiner Zeit am Zarenhof als Mönch.
Ein weiteres unübersehbares Wahrzeichen gereicht Ekaterinburgs zu wohl eher zweifelhafter Ehre: der
Fernsehturm als eine der wahrscheinlichst teuersten
unvollendeten Bauruinen weltweit. In den
80er-Jahren mit einer Höhe von 440 Metern und Panorama-Restaurant in luftigster Höhe geplant, wurde der
Bau 1991 nach dem Kollaps der Sowjetunion infolge angeblich oder tatsächlich fehlender Finanzmittel bei einer
erreichten Bauhöhe von 220 Metern eingestellt. Glücklicherweise waren die damaligen
Stadtverantwortlichen Ekaterinburgs klug und realistisch genug, besser etwas kleines und feines zu vollenden als
bombastisches nur zu planen: seit dem 26. April 1991 verkehrt in Ekaterinburg die mit
einer einzigen Linie von
9.5 Kilometer Länge und 7 Stationen
kleinste Metro Russlands.
Etwa 25 Kilometer ausserhalb Ekaterinburgs befindet sich in einer Walddlichtung der wohl grösste,
bekannteste, meistfotografierte und meistbesuchte von mehreren Obelisken zur Markierung der geografischen
Grenze zwischen Europa und Asien im Uralgebiet.

Den schiefen Turm von Pisa konnen wohl alle, aber kennen Sie auch den
schiefen Turm von Newjansk? Dieser liegt in der etwa 100 Kilometer
nördlich von Ekaterinburg gelegenen gleichnamigen Kleinstadt. Dabei handelt es sich um einen 1725 bis 1740
von der Unternehmerfamilie Demidov errichteten, knapp 60 Meter hohen Wachturm mit einer Vertikalachs-Abweichung
von etwa 2 Metern. Der schiefe Turm von Newjansk wird auch in dessen Stadtwappen abgebildet.
Und schliesslich noch etwas für Fussballfans: Ekaterinburg wird einer der
Spielorte der
Fussball-Weltmeisterschaft 2018 sein. Also nicht vergessen, rechtzeitig einen
Russisch-Sprachkurs bei mir zu buchen...
Ferien im Ural
Die Region des Ural ist, wie viele andere interessante und reizvolle Regionen Russlands, touristisch erst
rudimentär oder gar nicht erschlossen und ausserhalb der Grossstädte des Ural deshalb als
Feriendestination eher etwas für
entdeckungsoffene und in ihren Ansprüchen die regionalen
Alltags-Standards respektierende Menschen. Nichts desto trotz beginnt sich im Ural ein
vielfältiges
touristisches Angebot zu etablieren. Einen guten Überblick darüber, als Anregung oder direkt zum
Buchen, finden Sie auf dieser
russisch- und englischsprachigen Seite.
Der alpine Skisport hat in Russland keine Tradition und beginnt sich erst langsam zu etablieren.
Insbesondere die Region um Ekaterinburg wird kontinuierlich als Wintersport-Feriendestination mit
europäischen Standards erschlossen. Aufgrund ihrer Höhe können die Ural-Berge nicht mit
kilometerlangen Ski-Autobahnen glänzen, haben jedoch andere Pluspunkte und Annehmlichkeiten zu bieten:
Schneesicherheit, Naturschnee, eine (noch) intakte Umwelt sowie vergleichsweise moderate Preise und keine
Lift-Warteschlangen. Wenn Sie sich zutrauen, dem beinahe-alles-Könner Vladimir Putin ein paar elegante
präsidiale Carving-Schwünge beizubringen, sollten Sie einen Abstecher in das etwa 60 Kilometer westlich
von Magnitogorsk gelegene Skigebiet von Absakowo machen, wo der Russische Ministerpräsident und
vielleicht bald schon wieder Präsident öfter mal einen Ski-Kurzurlaub verbringt.