Wie in jedem anderen Land der Welt werden und wurden auch in Russland und früher der Sowjetunion über
Politiker-Witze und politische Witze gelacht. Dabei gilt ganz besonders, dass manche dieser Witze für
Nicht-RussInnen nur mit Kenntnissen der Kultur, Geschichte oder Sprache Russlands zu verstehen sind.
Das einfache brave Parteimitglied Iwan hat neben seiner Ehefrau eine heimliche Geliebte. Von Gewissensbissen
geplagt, sucht er Rat bei Breshnew, Stalin und Lenin. Als ersten fragt er Breshnew:"Was ziemt sich sich
für einen Bolschewik und Revolutionär mehr, Ehefrau oder Geliebte?"
Breshnew schaut sich erst vorsichtig nach Lenin und Stalin um, beugt sich dann zu Iwan und flüstert ihm ins
Ohr:"Nun, eine Ehefrau ist natürlich gut als Mutter und für das Familienleben überhaupt. Aber
unter uns Männern, auch wenn es natürlich nicht die Linie der Partei ist: aber nach meiner Erfahrung ist
eine Geliebte für gewisse Sachen doch um einiges aufregender und prickelnder als die Mutter unserer Kinder.
"
Bereits etwas beruhigt stellt Iwan Stalin dieselbe Frage.
Stalin entschlossen:"Natürlich nur und ausschliesslich die Ehefrau. Nur mit einer treuen Kameradin und
zuverlässigen Genossin an seiner Seite kann ein Mann auch ein guter Bolschewik und Revolutionär
sein."
Iwan's Zuversicht erleidet einen argen Dämpfer, gefragt ist deshalb - wie so oft - der Rat
des guten alten Lenin. Iwan wendet sich also an Lenin und stellt auch diesem die bekannte Frage. Lenin
streicht über sein Bärtchen und antwortet in schelmischem Ton:"Am besten ist natürlich Ehefrau
und Geliebte. Der Ehefrau gibt man das Gefühl, bei der Geliebten zu sein, und der Geliebten, man sei bei der
Ehefrau."
Iwan glaubt seinen Ohren nicht zu trauen, der grosse Revolutionär Lenin, entgegen allem, was er in Schule und
Partei gelernt hat, ein heimlicher Seitenspringer mit einem unbekannten Doppelleben womöglich? Aus diesen
Vermutungen wird er durch Lenins letzten Satz gerissen:"So kann man ungestört in die Bibliothek gehen
und - lernen, lernen, lernen!"
(Die drei
Wörter lernen, lernen, lernen beziehen sich auf ein allen Sowjetmenschen bekanntes und auch heute noch in
vielen Russischen Schulen zu findendes Zitat von Lenin, wonach lernen, lernen und nochmals lernen
(учиться, учиться и
еще раз учиться) die erste und
wichtigste Pflicht eines jeden Bolschewiken sei)
Gorbachev kehrt von einem Auslandsstaatsbesuch zurück und lässt sich zu seiner Datscha chauffieren.
Schon von weitem sieht er, dass Türen und Fenster fehlen. Er betritt seine Datscha und muss feststellen, dass
auch alle Möbel, Bilder sowie die Gardinen weg sind. Einige Leute sind eben dabei, die letzten Reste des
wertvollen Parketts herauszureissen. Erbost fragt Gorbachev:"Was zum Teufel ist hier los?"
Die Leute, aus einem Mund:"Perestrojka!"
(
Perestrojka
(
Перестройка) bedeutet Umbau,
Umgestaltung, Umstrukturierung und bezeichnet die letzte Periode der Sowjetunion von 1985 bis ca. 1989/1990. Was
im Westen durchwegs als positiv und vor allem mit dem Zerfall des "Ostblocks" sowie dem Wegfall des
Eisernen Vorhangs in Verbindung gebracht wird und die europäische Jeunesse Dorée eine halbe Saison
lang den Bolshevik-Chic tanzen liess, wurde und wird von den Menschen in der Sowjetunion und ihrer
Nachfolgestaaten weit weniger positiv wahrgenommen und bewertet. Der Alltag gestaltete sich zunehmend chaotisch,
das eh schon alles andere als üppige Warenangebot inklusive Grundnahrungsmittel verknappte sich dramatisch
und das Land stand so nahe wie seit den dreissiger Jahren nicht mehr am Abgrund einer verbreiteten Hungersnot.
Anmerkungen des Webmasters)
Iwan und sein amerikanischer Freund John unterhalten sich über die politischen Freiheiten in ihren
Ländern. John prahlt:"Ich kann mitten in jeder amerikanischen Stadt mit der Losung 'Weg mit dem
amerikanischen Präsidenten!' stehen, und nichts passiert mir."
Unbeeindruckt kontert Iwan:"Und ich kann mitten in jeder russischen Stadt mit der Losung 'Weg mit dem
amerikanischen Präsidenten!' stehen, und keiner wird mich verhaften!"
Ein Baum, auf einem Ast eine Krähe, darunter ein Fuchs. Der Fuchs zur Krähe:"Gehst du Putin
wählen?"
Die Krähe antwortet nicht. Darauf der Fuchs erneut:"Nun sag schon, gehst du
Putin wählen?"
Wiederum bleibt die Krähe stumm. Darauf der Fuchs herausfordernd:"Bestimmt
gehst du Putin wählen!"
Endlich antwortet die Krähe:"Ja." Dabei fällt das grosse Stück Käse aus ihrem
Schnabel auf den Boden. Blitzschnell schnappt sich der Fuchs den Käse und rennt davon.
Laut denkend darauf die Krähe:"Hätte es denn etwas geändert, wenn ich 'Nein' gesagt
hätte?!"
Ein Hund läuft aus der Ukraine nach Russland. Die Leute fragen ihn:
"Warum läufst du weg?"
"Es gibt nichts zu Fressen hier. Also geh ich lieber nach Russland."
Nur ein paar Tage später kommt der Hund in die Ukraine zurück.
"Du kommst bereits wieder zurück. Was ist passiert?"
"Dort gibt's auch nichts zu Fressen. Aber in der Ukraine darf man wenigstens bellen."
Drei Arbeiter sitzen im Gefängnis und erzählen einander, weshalb sie verurteilt wurden.
Der erste sagt:"Ich war immer 10 Minuten zu spät auf der Arbeit. Mir wurde Sabotage vorgeworfen."
Darauf der zweite:"Ich kam immer 10 Minuten zu früh zur Arbeit. Mir wurde Spionage vorgeworfen."
Schliesslich der dritte:"Ich kam immer pünktlich zur Arbeit. Mir wurde vorgeworfen, eine
ausländische Uhr zu besitzen."